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Der Komponist Woyrsch
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Druckversion Foto: Felix Woyrsch

Felix Woyrsch (1860 - 1944)

Komponist, Dirigent, Organist, Städtischer Musikdirektor in Altona (1903 - 1931)
1860 Am 8. Oktober in Troppau / Opava (Schlesien, Sudetenschlesien) als Sohn eines Schauspielerehepaares geboren. Aufgewachsen in Dresden und Hamburg.Musikalische Ausbildung weitgehend autodidaktisch, da der Besuch einer Musikhochschule aus finanziellen Gründen nicht möglich ist
1880er Jahre Leitung verschiedener Chöre in Altona (Schleswig-Holstein, Norddeutschland)
1884 Veröffentlichung der ersten Kompositionen. Studiensinfonie in b-Moll
1886 Uraufführung der ersten Oper;Der Pfarrer von Meudon; in Altona
1887 Leitung der Allgemeinen Altonaer Liedertafel
1893 Direktor des Altonaer Kirchenchores
1895 Leitung der Altoner Singakademie. Organist an der Friedenskirche in Altona
1896

UA der letzen Oper;Wikingerfahrt;

1899

Uraufführung des 1. abendfüllenden Oratoriums;Passions-Oratorium;

1903

Ernennung zum Städtischen Musikdirektor, damit Leiter der städtischen Symphonie-, Volks- und
Schülerkonzerte mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg (Hamburger Philharmonie).
Organist an der Johanniskirche Altona (bis 1926)

1908

Uraufführung der 1. Symphonie c-Moll op. 52

1910

Beginn der Komposition von Kammermusik

1917

Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Letzes Oratorium Da Jesus auf Erden ging

1928

Felix-Woyrsch-Festkonzerte aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der Altonaer Sinfonie-
konzerte. Verleihung der sibernen Plakette der Stadt Altona. UA der 3. Sinfonie.

1931

Übertritt in den Ruhestand als Musikdirektor

1933 Zwangspensionierung als Leiter der Altonaer Singakademie durch die Nationalsozialisten.
Rückzug in die innere Emigration.
1938

Verleihung des Beethovenpreises durch die Preußische Akademie der Künste

1941

UA der letzen Sinfonie (Nr. 6): Sinfonia sacra

1944

Am 20. März in Hamburg-Altona gestorben

Foto: Felix Woyrsch, ca 1928 Ich muß Ihnen durch diese Zeilen meine Bewunderung, meine
Freude zu dem Gelingen des prachtvollen Werkes [2. Symphonie]
übermitteln. Das Ganze ist ein Wurf! Hochinteressant von der ersten bis zur letzten Note. Welche Rhythmik und Harmonik im 1. Satz, wie entzückend der 2. Satz mit seinen intimen, aparten Reizen, welch schöner, edler Fluß der Kantilenen im Adagio, welch packende Kraft, welcher Aufbau im Finale! Ich freue mich außerordentlich und danke Ihnen herzlichst, daß ich dieses Werk aus der Taufe heben darf.

Mit diesen Worten bedankt sich Prof. Karl Panzner, Musik-
direktor in Düsseldorf und um die Jahrhundertwende als
Dirigent sehr geschätzt, für die ihm überlassene Uraufführung
der 2. Symphonie von Felix Woyrsch. Das Werk erlebte eine
triumphale Uraufführung.

Furore machten auch seine großen Oratorien. Von der ersten
Aufführung des Passions-Oratoriums op. 45 am 6. Dezember
1900 in Altona (mit der Altonaer Singakademie) berichtet der
Rezensent des Hamburger Korrespondenten:
"Nur selten haben wir einen solch tiefen und nachhaltigen Eindruck aus dem Konzertsaal mit nach Hause genommen wie gestern, und heute noch zittert dieser gewaltige Eindruck in uns nach."

Felix Woyrsch, 1928
Foto: Rudolf Dührkoop

Die bedeutendste Hinterlassenschaft Felix Woyrschs stellt sein auch von Johannes Brahms geschätztes kompositorisches Schaffen dar, das im Zeichen der Romantik und Spätromantik steht. Mit 7 Symphonien, 5 weiteren Orchesterwerken, für die sich u.a. Dirigenten wie Hans von Bülow, Max Fiedler oder Eugen Jochum einsetzten, einem Violinkonzert, Kammermusik unterschiedlicher Besetzung (darunter allein 5 Streichquartette, 1 Streichsextett, 1 Klavierrtrio, 1Klavierqintett,), 3 Opern, ebenso vielen abendfüllenden Oratorien (Passions-Oratorium, Totentanz, Da Jesus auf Erden ging) und zahlreichen Chorwerken mit und ohne Orchester, über 100 Liedern sowie Klavier- und Orgelmusik wächst dieses Schaffen ins Universale. Sein Schüler, Ernst Gernot Klußmann, später Rektor des Vogtschen Konservatoriums und Professor an der Hamburger Musikhochschule, versucht 1930 eine erste Bestandsaufnahme dieses Schaffens (Altonaer Nachrichten vom 17. Juli 1930).
" Tiefste Religiosität ist die Haltung dieses Gesamt- und Lebenswerkes, beginnend mit dem Frühwerk der Weihnachtsmusik Geburt Jesu op. 18, über das Passions-Oratorium op. 45, hinweg zu energiegespanntester

Foto: Felix Woyrsch, ca 1905
Felix Woyrsch, ca. 1905
Foto: H. Collischorn

Monumentalität sich steigernd im Ausklang des Mittelpunktes
dieses Gesamtwerkes, des Totentanzes", seine innerlichste Erfüllung endlich findend im Mysterium Da Jesus auf Erden ging
.

Stil und Thematik des Totentanzes beeinflußt aufs deutlichste die ihm zeitlich zunächst liegenden Werke. Die Farbigkeit der Harmonie, die gespannte Rhythmik, das Bevorzugen des tragisch-dramatischen c-Moll der 1. Symphonie, des balladesken a-Moll im 1. Streichquartett (auch im Schön-Sigrid"), das dunkle g-Moll der Hamlet-Ouvertüre", alles sind Einzelmomente des Totentanzes, die in den folgenden Werken zum größeren Komplex und zur eigenen Einheit ausgebaut werden. [...].

Ein neuer Stil beginnt mit der 2. Symphonie. Er hebt sich von den früheren Werken ab durch eine Rückkehr zu einfacherer Harmonie, bevorzugt um so mehr eine lineare Führung der einzelnen Stimmen und findet seine vorläufige Vollendung in dem Streichquartett Nr. 3, dem Klavierquintett und der 3. Symphonie [...]

Die Stellung von Woyrschs Gesamtwerk in unserer Zeit liegt abseits vom Tagesstreit der Meinungen und Stile. Nordisch in seiner Herbheit, holzschnittartig, Dürerähnlich, in seiner Religiosität, in seinem Ethos Brucknerverwandt, wächst es stark und stetig in selbstgewählter Stille und Abgeschlossenheit.

Felix Woyrsch redivivus. Nachdem eine ganze Generation an der Musik des Nordmärkers achtlos vorübergegangen ist, kündigt sich eine Renaissance seiner Werke an, und sein Schaffen findet in der Musikwelt zunehmend Beachtung.

Ernst Gernot Klussmann prophezeite: Und seine eigentliche Zeit wird dann gekommen sein, wenn der Wert des Stillen den Unwert der Hast überwunden hat.

 

LITERATUR

G. Hahne, Art. Woyrsch, in Schleswig-Holsteinisches biographisches Lexikon, III/1974, 286 f. -- Lutz Lesle, Wiederentdeckt: Felix Woyrsch, in: Die Welt/15.12.1989. -- Felix Woyrsch (1860 - 1944), Hbg. 1991 (Ausstellungskatalog des Altonaer Museums; hier auch weitere Literatur). -- Johann C. Rieke: Felix Woyrschs Mysterium <Da Jesus auf Erden ging>, Hbg. 1991, Ms. -- A. Dreibrodt, Der Nachlaß Felix Woyrsch an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Hamburg, Hbg. 1992, Ms. -- Mitteilungen, Pfohl-Woyrsch-Gesellschaft e.V., Hbg. 1996ff.

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